Kidizoom von VTech

Bild Vtech

Vorab möchte ich Sie für die Ausführlichkeit und Länge der Bewertung um Verständnis bitten, aber die Kidizoom von VTech ist Digitale Kamera, Videokamera, MP3/WMA Player und Spielebox zugleich.

Der Hersteller, VTech, bewirbt sein Produkt mit folgender Situationsschilderung
„Schrecksekunden, die jedes Elternteil durchlebt, wenn …“ die Kronprinzessin oder der Kronprinz die elterliche Digitalkamera in die Hände bekommt.

Ich muss gestehen, dass ich genau diese Situation nicht nur einmal durchlebt habe. VTech hat genau den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ich habe den freien Fall der Kamera unfreiwillig aus 80 cm Höhe auf Parkett verursacht, Ergebnis: keine Schäden. Eine andere Kamera hätte bei herausgefahrenem Objektiv ganz sicher den „Geist“ aufgegeben. Durch das Design werden Linse und Bedienelemente weitestgehend beim Sturz geschützt. Verständlicherweise bittet der Hersteller in seiner Beschreibung darum, die Kamera dennoch nicht auf harte Oberflächen fallen zu lassen.

Diesen Sachverhalt sollten Sie bei der Kaufentscheidung einfließen lassen. Das Front-Gehäuseteil können Sie austauschen, blau oder pink, so dass auch „My little Pony“- und „Lillifee“-Fans auf ihre Kosten kommen.

Die Betriebsbereitschaft der digitalen Kamera wird durch Bestücken mit 4 Batterien AA/LR6 hergestellt. Diese Aktion bringt Sie wieder auf den Boden der Realität, nämlich in die Spielzeugregion zurück. Zwei Batterieschächte, die mit „Klappen“ verschlossen sind, müssen mit Kreuzschlitzdreher geöffnet und geschlossen werden.

Batterieschächte, wie bei Schiffsmodellen oder Spielzeugautos – für eine digitale Kamera etwas gewöhnungsbedürftig.

Das Display ist relativ klein (1,8 ´´ – Briefmarkengröße), zu dunkel und lichtschwach aber ausreichend. Aus diesem Grund sollten besonders die Fotos, aber auch Videos oder Spiele besser am Fernsehgerät betrachtet werde. Dies funktioniert mit dem beiliegendem Kabel problemlos. Übrigens der Doppelsucher der Kamera ist besonders bei kleineren Kindern von Vorteil. Mit beiden Augen wird das Objekt „angepeilt“ und die Aufnahme „geschossen“.

Die Symbole der Bedienelemente entsprechen der Norm und sind eindeutig:

  • Kamera (mit zuschaltbarem Blitz),
  • Video,
  • Musikwiedergabe,
  • Spiele
  • Einstellungen, usw.

Das Hauptmenü ist übersichtlich und kindgerecht gestaltet. Bei aller Einfachheit ist die Einweisung und Begleitung durch die Eltern zu empfehlen. Bereiten Sie sich gründlich vor, um den Kindern, die im Alter von 4 bis 6 Jahren in der Regel die Bedienungsanleitung noch nicht eigenständig lesen können, die Funktionen zu erklären.

Das „Ausprobieren“ der Kamera durch die Kinder selbst wird in den Untermenüs, besonders im Modus des Fotoeditors oder der Musikwiedergabe, danach zum Selbstläufer.

Nun zu den technischen Besonderheiten
Die beiliegende Hardwareausstattung unterscheidet sich kaum von anderen Digital-Kameras. Beiliegende CD mit Bildbearbeitungsprogramm, USB- und AV-TV-Kabel, Kopfhörer bieten alles, was zum Multimediaeinstieg für Kinder beitragen könnte. Das USB-Kabel lässt sich allerdings nicht so einfach in die Kamera einführen, weil die ständig geschlossene Federverschlusskappe die Einsteckrichtung nicht erkennen lässt.

Eine Kennzeichnung ist hilfreich. Die Kamera selbst kann zur eigenen 128 MB Speicherkapazität noch mit einer SD-Karte bis 2 MB ausgestattet werden. Im Test hat sich gezeigt, dass dieses zusätzliche Speichermedium im Kameramenü problemlos verwaltet und auch direkt formatiert werden kann.

Der Anschluss und die Erkennung der Kamera am PC funktioniert unter Windows XP problemlos. Beachten Sie, dass die Kamera nicht ausdrücklich für VISTA entwickelt wurde. Die Kamera wird, zumindest an meinem Vista-Laptop, nicht erkannt.

Der VTech-Service bestätigte mir gegenüber, dass es zu diesen Problemen kommen kann. Besonders wichtig ist dies schon, weil Ihnen sonst die Möglichkeit genommen wird, Musiktitel auf den internen Speicher zu überspielen. Abhilfe schafft in solchen Situationen nur eine zusätzliche SD-Karte, auf die Sie extern die gewünschten Musiktitel speichern können.

Zu beachten ist, dass die Titel nicht in die vorgegebenen Unterverzeichnisse, sondern direkt auf das Wurzelverzeichnis der Karte zu speichern sind.

Das externe Bearbeiten von Dateien unter Vista und das damit erforderliche Herunterladen von Fotos und Videos bedeutet, die Karte herauszunehmen. Dabei bleibt es Ihnen nicht erspart, die Aktion „Kreuzschlitzschraubendreher“ erneut auszuführen.

Fotokamera-Funktion
Die Kamera ist mit ca. 0,3 Mpixel leider unterdimensioniert. Bleibende Erinnerungen für die Kinder im Bild festzuhalten und von diesen, im jpg-Format vorliegenden Dateien qualitativ hochwertige Fotos machen zu wollen, bleibt ein Traum. Dennoch habe ich getestet, was man aus den Basis-Fotos machen kann.

Das Ergebnis
Bei Fotoaufnahmen müssen die Lichtverhältnisse optimal sein und die Kamera ist, besonders bei Motiven im Nahbereich, ruhig zu halten. Der Blitz sollte bei Innenaufnahmen zugeschaltet werden; leuchtet aber nur im Nahbereich aus. Vorher einfach mal ausprobieren.

Das Ergebnis sind Fotos (640×480) mit ca. 30 bis 50 kb. Über Bildbearbeitungsprogramme lässt sich schon manche Verbesserung erzielen, aber auch mit der Weiterverarbeitung (u.a. Powerpoint) lassen sich zu meiner Überraschung relativ brauchbare Fotos für die Kinder erstellen. Sie dienen auf jeden Fall zur Motivation.

Zusätzlich können die Fotos mit Sprachaufzeichnung bis zu 10 Sekunden versehen und/oder mit einer kamerainternen Bildbearbeitung (Fotoeditor) gestaltet werden. Der Fotoeditor gestattet eine Bearbeitung der Aufnahme vom Bilderrahmen, Stempel. Verzerren bis zur Animation, alles was Spaß und Freude macht, der Unterhaltung dient und Staunen verursacht.

Auch wenn ich von der Fotoqualität digitaler Kameras heute mehr erwarte, sollte immer bedacht werden, dass dieses Spielzeug ein multimediales Mehrfachfunktionsspielzeug ist. Den Kindern wird es sehr leicht fallen, später oder parallel mit MP3 – Player, Fotohandy und dem PC umzugehen. Darüber hinaus lernen sie für spätere Zeiten mit hochwertigeren technischen Geräten verantwortungsbewusst umzugehen.

Videokamera-Funktion
Unter den technischen Voraussetzungen der 0,3 Mpixel kann man an den Videoaufnahmen keine großen Erwartungen stellen. Die Grundfunktionen einer Videokamera werden jedoch gewährleistet. Auch hierbei habe ich getestet, was aus den Videoaufzeichnungen herauszuholen ist.

Das Ergebnis: 11 Einzelbilder pro Sekunde bei einer Auflösung von 160×120. Das Video ist weder flüssig noch gestochen scharf (25 Einzelbilder sollten es schon sein). Aber es sind die von den Kindern eigen produzierten Aufnahmen – und das erfüllt sie mit Stolz.

Musikwiedergabe
Bei der Musikwiedergabe ist zu beachten, dass die Eltern, zumindest bei den 4 bis 6-Jährigen, zuvor die Lieblings-MP3´s über USB auf den Kameraspeicher oder der SD-Karte spielen sollten. Recht komfortabel gestalten sich Titelauswahl über die Bedienelemente und die Anzeige der Titel in Listenform und beim Abspielen als Laufschrift. Übrigens besser als bei manchen Markenplayern.

Die Lautstärke über Kopfhörer ist durch den Hersteller bewusst reduziert worden, um Hörschäden zu vermeiden. Die Vorsorge wurde m.E. etwas übertrieben, ein oder zwei Lautstärkebalken mehr hätte ich mir schon gewünscht. Für entspanntes Hören, ggf. auch im Bett, bestens geeignet.

Zu diesem Zweck empfehle ich z.B auch Märchen im MP3-Format zu speichern. Den Kauf einer zusätzlichen Speicherkarte kann ich nur empfehlen.

Über den eingebauten Lautsprecher reicht die Lautstärke völlig aus.

Die Spiele

  • passende Paare (Memori),
  • Dreierreihe (vgl. Mühle),
  • Puzzle-Fieber

sind dem Alter entsprechend sehr gut ausgewählt und werden nicht langweilig. Selbst bei der Dreierreihe kann auch das Kind das Spiel gewinnen, was übrigens nicht immer selbstverständlich ist. Die Puzzle-Vorlagen werden einerseits bereits vorgegeben, werden jedoch auch aus dem Fundus eigener Fotos gezogen. Dies ist zu der komfortablen Musikwiedergabe und der robusten Bauweise ein weiteres dickes Plus des Spielzeugs.

Je nach Alter können die Kinder parallel zum Spielgeschehen mit der Kamera an den PC herangeführt werden, um z.B. den Datenaustausch zu erlernen (Windows 2000 oder XP).

Die beiliegende CD enthält das Programm Kidizoom S.O.S., mit dem die Kamera bei Problemen in den Originalzustand zurückversetzt werden kann. Eine verdeckte Reset-Taste kann ebenfalls benutzt werden. Beides brauchten wir während der Testphase nicht benutzen. Das System der Kidizoom arbeitete stabil.

Die Kamera verfügt über eine Abschaltautomatik, um Energie zu sparen. Erfolgt keine Eingabe, schaltet sie sich nach wenigen Minuten selbst ab.

Bei allem für und wider sollten Sie immer davon ausgehen, die Kidizoom ist ein Spielzeug.

Die Angabe: Unterstützte Dateiformate: Foto: jpeg < 2 Mpixel (Auflösung <= 1632 x 1224)“ erscheint irreführend. Die Kamera selbst hat nun mal nur bescheidene 0,3 Mpixel.

VTech muss zugestanden werden, ein elektronisches Lernspielzeug entwickelt zu haben, dass den besonderen Bedürfnissen von Vorschulkindern hinsichtlich der Mechanik, Funktionalität und der Lern- und Spielinhalte entspricht.

Das Spielzeug wird von den Kindern angenommen. Die Kinder sind vom Produkt überzeugt und zufrieden und so soll es eigentlich auch sein.

Die „Schrecksekunden, die jedes Elternteil durchlebt, wenn …“ die Kronprinzessin oder der Kronprinz die elterliche Digitalkamera in die Hände bekommt gehören nunmehr der Vergangenheit an.

Fazit

Ansehbares Video mit geringer Qualität. Nahezu alle Billig-Web-Cams liefern ein besseres Ergebnis. Die Kinder werden später bessere Technik zu schätzen wissen.

Die zur Verfügung stehende 0,3 Mpixel-Kamera ermöglicht eine relativ hohe Anzahl von möglichen Fotos (ca. 2.000 Fotos ohne Zusatzspeicher) oder Videolängen bis zu 45 Minuten ohne Zusatzspeicher, dies allerdings zu Lasten der Qualität der Aufnahmen.

„VTech – Ziel erreicht“ – „weiter so, jedoch mit mehr Mpixel und einer Kompatibilität zu Vista“.

Über Roland Bochmann 201 Artikel
Redakteur für Kinder-, Lernspiele und Experimentierkästen. Bild wurde von Juli gezeichnet.