
So drehst du Animationsfilme mit Handy oder Digitalkamera
Ziel der Trickfilmwerkstatt sollte es sein, einen kurzen Trickfilm zu produzieren. Dies zumindest waren unsere Erwartungen am Dorling Kindersley Produkt.
Wurden diese Erwartungen erfüllt?
Würde eine der zwei Kulissen nicht automatisch Karton sein, könnte alles in einen größeren Umschlag, vergleichbar DIN A 5 gesteckt werden.
Die Verpackung ist sehr stabil, mit Klettverschluss versehen und ansprechend gestaltet.
Mit der Trickfilmwerkstatt haben sich 3 Kinder (Mädchen 11, 10 und Junge 12) beschäftigt. Erwartungsvoll öffneten sie die Box und waren zunächst sichtlich enttäuscht, was sie vorfanden.
Das Handbuch ist sehr schön gestaltet und hervorragend strukturiert. In Gänze werden Experimente, Geschichten, Regietipps, Tafelanimationen, Knetfiguren, Kulissen und Requisiten, Licht, Kamera, Action, Nachbearbeitung und vieles mehr auf den verbleibenden 30 Seiten erläutert.
Zunächst ist Bastelarbeit angesagt, um die Experimente zu testen:
Traumatrop und Zeotrop und funktionieren.
Auch ein Storyboard zu entwickeln, ist eine durchaus machbare Angelegenheit.
Die Probleme beginnen eigentlich erst beim Abfilmen bzw. –fotografieren.
Völlig egal, ob es sich bei den Aufnahmen um gezeichnete Figuren, Pappvorlagen oder Knetfiguren handelt, ein Fotohandy bei Bewegungsabläufen immer in der gleichen Position zu halten, ist nahezu unmöglich.
Die berechtigte Vorgabe der Autoren, mindestens 12, besser 24 Aufnahmen zu schießen, um eine Sekunde wiedergeben zu können, ist unter diesen Bedingungen absurd.
Wenige Millimeter näher an das Objekt oder weiter entfernt, verändern deutlich die Größe der Figur.
Ohne Stativ ist da kaum was zu machen. Natürlich kann man sprunghaft, in einer Art von Szenenwechsel, seine Aufnahmen produzieren; dies lässt jedoch den „Trickfilmcharakter“ vermissen. Also machen wir zirka 200 Fotos!
Ein weiteres, viel größeres Problem beschreibt die Vorgehensweise auf Seite 30:
„Wenn du mit dem Film fertig bist, schließe die Kamera an einen Computer. Wenn du noch keine Animationssoftware hast, findest du leicht welche im Internet. Frage am besten deine Eltern, vieles gibt es kostenlos.“
Anschließend werden die Kids aufgefordert, die Szenen zusammenzusetzen und Musik, Geräusche, Vor- und Nachspann einzubauen.
Darüber hinaus wird empfohlen, extra Tonspuren zu nutzen, um aus dem Internet Gratissammlungen von Soundeffekten einzubauen.

Schlussendlich wird ein Abspann aus Pappbuchstaben empfohlen, den man gleich durch Einzelbildaufnahmen mitfilmen kann.
Für gegenwärtig 20 Euro, die die Trickfilmwerkstatt kostet, erwarte ich eine beiliegende Software oder einen Link auf die Verlagsseiten zum Download. Eine Installation aus dem Netz birgt immer die Gefahr, zusätzlich eine lästige Toolbox installiert zu bekommen oder sich Viren, Spyware u.a.m. einzufangen.
Es gibt eine Vielzahl von sehr guter Animationssoftware, die jedoch machen die Trickfilmwerkstatt nahezu überflüssig, da sie auch hervorragenden Anleitungscharakter tragen.
Der Verlag ist im Internet erreichbar unter: www.dorlingkindersley.de
Fazit
Sehr ansprechende Umverpackung, sehr gut gestaltetes Handbuch, das beschreibt, wie der Anwender zu den Aufnahmen gelangt.
Wie die Kinder zum Rest, zu dem eigentlichen Trickfilm kommen, bleibt ihnen selbst überlassen.
Kinder, die ein Fotohandy oder Smartphone besitzen, die sich dann selbst mit der beschafften Animationssoftware beschäftigen müssen, haben bereits so viel Multimediafähigkeit entwickelt, dass dieses Spieleset überflüssig wird.
Die Trickfilmwerkstatt von Dorling Kindersley Verlag GmbH ist Winner des ToyAward 2014. Stellt sich für mich die Frage, was die vielen anderen Firmen dann bloß auf den Markt gebracht haben.
Keine Empfehlung !