Die kindliche Fantasie als Motor

Bild Moluk

Die Idee zum schalenförmigen Spielobjekt ohne fixe Funktion und eng definierten Zweck kam Hochstrasser im Rahmen seiner Diplomarbeit an der ZHdK. Er hatte sich aufgemacht, ein universelles Spielzeug zu entwickeln, das auf der kindlichen Fantasie und Neugier aufbaut, diese fördert und fordert und je nach Alter und Entwicklungsstand neue Spielmöglichkeiten bietet.

Ausgehend von Beobachtungen zum Spielverhalten der Kinder, suchte Hochstrasser nach Formen und Materialien, die intuitiv zum Bewegen und Entdecken animieren. Oft sind es Objekte, welche nicht als Spielzeug gedacht sind, die auf Kinder die grösste Faszination ausüben – z.B. die Kartonschachtel, die interessanter ist als das teuere Geschenk zu Weihnachten, oder gefundene Gegenstände wie Steine, Äste oder Muscheln, mit denen Kinder lieber verweilen.

Auch von verschiedenen Fachleuten aus Physiotherapie, Erziehung und Medizin flossen wertvolle Anregungen ein. Kein geringerer als Prof. Remo Largo vom Kinderspital Zürich stand dem Projekt als Pate und Berater zur Seite.

Bilibo – Eine formgewordene Einladung zum Spielen

Das Resultat: Eine elegant geschwungene, halbkugelförmige Schale – gross genug, damit Kinder bequem drin sitzen, schaukeln und kreiseln können, sich dabei aber immer mit Händen und Füssen aussen abstützen. Zwei runde, augenförmige Öffnungen geben dem Objekt ein Gesicht und dienen gleichzeitig als Gucklöcher, Griffe und Andockstellen. Umgedreht wird die Schale zum stabilen Hocker oder zum Hügel in der Spiellandschaft. Zwei identische Schalen fügen sich wie ein dreidimensionales Puzzle zu einer geschlossenen Kugel, die verschmitzt lächelt.

Bereits die ersten Tests mit Prototypen im lokalen Kindergarten zeigten das enorme Potential, das in dieser einfachen Form schlummert. Nachdem sich ein Junge in den Bilibo gesetzt und zu kreiseln begonnen hatte, gab es kein Halten mehr. Die Kinder übertrafen sich mit immer neuen Spielideen. Bilibo wurde zum Flussstein, Schaukelbett, Kochtopf, Riesenhelm, Rennauto…

Bild Moluk

Die begeisterten Reaktionen der Kinder und der Zuspruch von Fachleuten bestärkten Hochstrasser darin, das Spielzeug zur Serienreife weiterzuentwickeln. Mit sämtlichen Ersparnissen, dem Eidgenössischen Preis für Design und einem Darlehen seiner Eltern konnte er schliesslich die nötige Spritzgussform finanzieren und fand auch eine Firma, die den Vertrieb des Spielzeugs übernahm.

Am 28. September 2001 war es dann soweit. Die ersten Produktionsmuster aus der solothurnischen Fabrik Allemann AG wurden rechtzeitig zur Produkttaufe in Zürich geliefert. Der Rest ist Geschichte.

Eine Ausstellung im MoMA und Internationale Auszeichnungen

Mit Bilibo ist das Kunststück gelungen, im überfüllten Spielwarenmarkt eine Lücke zu finden und freies Spielen in einer so zeitgemässen wie zeitlosen Form neu zu erfinden.

Das Spielobjekt mauserte sich auch international bald zum Klassiker und holte wichtige Auszeichnungen in Deutschland, England, Australien und den USA, wo Bilibo 2010 den Oskar der Spielwarenbranche, einen TOTY (Toy Of The Year) in der Kategorie Vorschulalter, gewann.

Rund um die Welt ist Bilibo in Kindergärten und Schulen im Einsatz. In Japan hat eine Gruppe von Sporttherapeuten für Kinder eigens ein Bilibo Pilates Programm entwickelt, um spielerisch Kraft, Koordination und Balance zu trainieren.

Das Musée des Arts Décoratifs in Paris nahm das Spielzeug in die permanente Sammlung auf und Bilibo war Teil der Ausstellungen „100 Jahre Schweizer Design“ im Museum für Gestaltung Zürich und „Century of the Child“ im Museum of Modern Art New York.

Grundstein zum eigenen Spielzeug Label

Hochstrasser entwickelte als Designer und Creative Director weitere preisgekrönte Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele, bevor er 2011 zusammen mit seiner Schwester, einer Architektin, das eigene Spielzeuglabel MOLUK gründete. Damit hatte er die volle Kontrolle über Design, Produktion und Vertrieb in eigenen Händen und konnte seine Vision für gutes Spielzeug kompromisslos umsetzen. Stück für Stück entstand über die kommenden Jahre eine einzigartige Produktfamilie, die auf der Spielphilosophie von Bilibo aufbaut und sich konsequent gegen den Trend zu immer mehr elektronischen, bildschirmbasierten Spielsachen stemmt.

Oogi, Pluï, Hix oder Oibo sind nur einige der Kreationen, die Kinderherzen rund um die Welt höher schlagen lassen. Der spiel gut® Arbeitsausschuss hat bereits 13 Spielsachen von MOLUK für ihren herausragenden Spielwert und ihre gestalterische Qualität ausgezeichnet.

Freies Spielen versus Disney & Co.

Während die grossen Spielzeugfirmen zunehmend geschlechts- und altersspezifische Spielsachen produzieren und selbst Lego inzwischen eine eigene Linie für Girls lanciert oder auf Lizenzthemen wie Star Wars, Harry Potter oder Disney mitreitet, setzt MOLUK beherzt auf freies Spielen und abstrakte, offene Spielsachen, die der Fantasie Raum lassen. Das Kind soll nicht passiv konsumieren sondern aktiv mitgestalten – egal ob Mädchen oder Junge.

Nachhaltiges Design – Kunststoff mit Bedacht eingesetzt

Zentral ist auch das ökologische Anliegen. Ein Spielzeug wie Bilibo, das Kinder über viele Jahre begleitet und vollständig recyclebar ist, hat eine viel bessere Ökobilanz als kurzlebige Massenware oder selbst teure Holzspielsachen, an denen Kinder schnell das Interesse verlieren. Die Ressourcen und Energie, die für die Herstellung eines Produktes verwendet werden, stehen immer im Verhältnis zu seinem Spielwert und seiner Lebensdauer.

MOLUK ist ständig bestrebt, selbst etablierte Produkte zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Ingenieuren vom IWK in Rapperswil hat Alex Hochstrasser dieses Jahr die Biliboschale einer strukturellen Analyse unterzogen. Die Resultate flossen in die Konzeption eines neuen Spritzguss-Werkzeugs ein, das die Kunststoffmenge um fast 10% reduziert und gleichzeitig das Spielzeug robuster und schöner macht. Die Umstellung auf reinen Biokunststoff ist das nächste grosse Ziel.

 

Neue Farbkollektion zur 20-Jahr-Feier

20 Jahre nach seiner Einführung und über einer Million verkaufter Stücke ist Bilibo aktueller denn je und weiterhin eins der bestverkauften Produkte von MOLUK. Gerade in Zeiten der Pandemie, wo viele Kinder zuhause bleiben müssen, bringt Bilibo Bewegung und Spass in den Alltag.

Zur Feier des runden Geburtstags lanciert MOLUK eine Kollektion von Pastellfarben, welche die klassischen Regenbogenfarben ergänzen. Die neuen Bilibos werden vor Weihnachten exklusive und in limitierter Anzahl im Swiss Design Market in Zürich und Bern erhältlich sein.

Bezugsquellen online: www.moluk.com/wheretobuy.php

Über Die Redaktion 14893 Artikel
Das Magazin wurde im Mai 2016 gestartet, trotzdem kommen wir selber auf fast 20 Jahre Spielerfahrungen zurückblicken.